Buchempfehlung: Læseren der forsvandt

von David L. Ulin. Originaltitel: The Lost Art of Reading – Why Books Matter in a Distracted Time.

Hvordan kan vi holde en pause, når vi skal vide alt med det samme? Hvordan kan vi ruminere, når der konstant er en forventning om, at vi skal svare?”

Wie können wir innehalten, wenn wir alles sofort wissen müssen? Wie können wir nachdenken, wenn ständig von uns erwartet wird, dass wir reagieren?

„Der Leser, der verschwand“

Stell dir vor, du gehst zum ersten Mal in eine dir noch unbekannte Bibliothek. Neugierig durchstreifst du die Räumlichkeiten, ziehst hier etwas heraus, stellst dort etwas zurück, freust dich, alte „Bekannte“ zu treffen, und suchst nach dem einen Buch, das dir jetzt gefallen könnte.

Und dann hältst du es plötzlich in Händen, ohne dass ein Algorithmus es dir vorgeschlagen hat, einfach, weil du deiner Intuition gefolgt bist. Noch interessiert es dich nur, der Titel klingt nach etwas, was dich begeistern könnte. Zu Hause nimmst du es zur Hand, vertiefst dich darin und findest dich in einem großen Erstaunen wieder.

Denn aus all den Tausenden von Büchern hast du ausgerechnet jenes ausgesucht, das dich mitten ins Herz trifft und einen verdorrten Zweig neu aufblühen lässt: die Liebe zum Lesen als inniger Akt der Versenkung.

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La Espeja mit Wow-Effekt? Du entscheidest!

Als Autorin gehöre ich normalerweise zu meinen größten Kritikern. Jeder Fehler schmerzt, jede Zeile muss sich bewähren, wenn man das eigene Buch nach ein paar Jahren wieder zur Hand nimmt. Gleichzeitig ist das Wieder-Lesen oft mit einem Erstaunen verbunden, denn tatsächlich gibt es viele Passagen, an die ich mich gar nicht erinnere. Das eigene Buch ist einem fremd geworden und erst jetzt merkt man wirklich, ob es sich gelohnt hat, es zu schreiben.

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Georg Brandes: Der Wahrheitshass.

Über Deutschland und Europa 1880 – 1925. Rezension

Aber wenn die Menschen schweigen, werden die Steine reden.“[i]

Vor Kurzem habe ich euch den dänischen Gelehrten und Schriftsteller Georg Brandes als Literaturkritiker vorgestellt. Heute möchte ich euch die Sammlung „Der Wahrheitshass“ empfehlen, für die verschiedene Aufsätze, Notizen und Essays von Brandes aus den Jahren 1880 bis 1925 von Hanns Grössel ausgewählt und kommentiert wurden.

Die im Berenberg-Verlag erschienene Sammlung „Der Wahrheitshass“ umfasst 21 Texte, die auf drei Kapitel verteilt sind. Die Texte behandeln kulturelle und politische Ereignisse in Deutschland und Europa und skizzieren aufgrund des gewählten Zeitraums u.a. den Weg Europas in den ersten Weltkrieg.

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Buchempfehlung: Die romantische Schule in Deutschland.

Von Georg Brandes

In „Wie der Tod ins Leben kam“ schildere ich an Beispielen aus der deutschsprachigen Literaturgeschichte, wie sich die Vorstellungen vom Todeszeitpunkt und damit die Idee, wo das Sterben beginnt und wo es endet, im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben. Auch der deutschen Romantik ist darin ein Kapitel gewidmet und während ich dafür recherchierte, bemerkte ich, dass in mir starke Abneigung gegen das „romantische Gemüt“ aufkam, dessen Vertreter“ mir mehr und mehr wie Unheil verkündende Priester erschienen, die das Leben unter ihrer romantisierten Todessehnsucht leugneten und erstickten.

Wie groß war dann meine Überraschung, als ich dieser Tage das mehr als 150 Jahre alte Werk des dänischen Literaturkritikers Georg Brandes las, der meine Wahrnehmung und Einschätzung der deutschen Romantik in vielfacher Hinsicht bestätigt.

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Buchempfehlung: Der unartigste Junge der Welt

Verdens uartigste dreng – ein dänisches Kinderbuch von Kim Fupz Aakeson (Autor) und Rasmus Brenhøi (Illustration)

Wer ist eigentlich artiger – ein Junge, der lügt, oder ein Junge, der die Wahrheit sagt? Und was wäre, wenn man in der Schule nicht die Wahrheit, sondern das Lügen lernen würde?

In dem dänischen Kinderbuch „verdens uartigste dreng“ stellt Kim Fupz Aakeson die vermeintlich einfachsten Annahmen über die Welt und über den Versuch, sich moralisch richtig zu verhalten, auf den Kopf. Denn Svend Bendt, die Hauptperson des Buches, hat ein Problem: Er kann nicht lügen. Und weil er nicht lügen kann, gilt er als unartig. Obwohl es doch eigentlich heißt, dass man immer die Wahrheit sagen soll. Oder?

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Rezension: Sixten & Elvira

Historien om et mord. Af Kathinka Lindhe

War es Liebe oder die Geschichte einer narzisstischen Unterwerfung? War es am Ende ein gemeinsam geplanter Selbstmord oder Mord? Elvira Madigan und Sixten Sparre, die Seiltänzerin und der Leutnant aus altem schwedischen Adelsgeschlecht, gehören zu jenen historischen Liebespaaren, die Romantiker gern in eine Reihe mit Romeo und Julia oder Abaelard und Heloise stellen. Schon der Titel, den die schwedische Verfasserin und Urenkelin von Sparre für ihre eigene Veröffentlichung wählte, lässt ahnen, dass sie zu einem gänzlich anderen Ergebnis gelangt. Oder?

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Leseempfehlung: Oh, dieses Dänisch!

Ein unterhaltsamer Sprachführer von Reinhard Behr

Schon lange wollte ich Dänisch lernen und vor wenigen Wochen habe ich endlich begonnen – zunächst mal im Selbststudium. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich die Sprache relativ rasch erlernen würde – zumindest, um mich im Alltag halbwegs verständigen zu können. Die Grammatik ist einfach, der Wortschatz ähnelt in vielem dem Deutschen und Englischen. Wenn da nur nicht die Aussprache wäre!

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Leseempfehlung: Alltagsmenschen

Ein Roman von Carry Brachvogel

Ein Ehebruch im gutbürgerlichen Milieu Münchens gegen Ende des 19. Jahrhunderts; eine übersättigte Gesellschaft, die sich ihre eigenen Skandale schafft, um nicht an Langeweile zugrunde zu gehen: Der Stoff, den Carry Brachvogel in ihrem Debütroman „Alltagsmenschen“ verarbeitete, ist es gewiss nicht, der mich dazu bewegt, das Buch als Lektüre zu empfehlen.

Was also begeistert mich an einem Erstlingswerk, über das die Autorin selbst später sagte, dass es „Gott sei Dank verschollen“ sei? Davon erzähle ich in diesem Beitrag.

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Leseempfehlung: Wie AI die Demokratie unterwandert

– und was sich dagegen tun lässt. Von Mark Coeckelbergh

In welchem Verhältnis stehen künstliche Intelligenz (KI, englisch: artificial intelligence, kurz AI) und Demokratie zueinander? Kann eine Technologie, die von wenigen Techkonzernen entwickelt wird, demokratischen Prinzipien entsprechen? Wer entscheidet, in welche Richtung deren Entwicklung gehen soll? Deutet sich gegenwärtig nicht bereits an, dass AI vor allem ein hervorragendes Mittel zur Manipulation und Desinformation ist? Untergräbt AI die Grundlagen und Werte unserer Demokratie?

In „Why AI undermines Democracy and what to do about it” verspricht der aus Belgien stammende Technikphilosoph Mark Coeckelbergh Antworten auf diese und weitere Fragen. Warum ich das Buch empfehle, obwohl ich es mit großer Skepsis gelesen habe, erzähle ich im folgenden Beitrag.

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Maya Angelou zum Geburtstag

Heute ist der Geburtstag von Maya Angelou, die so viele Berufe und Talente hatte, dass man viele Zeilen damit füllen könnte, sie aufzuzählen. Bekannt dürfte sie in Deutschland vor allem als Schriftstellerin sein. Aufgewachsen in den 1930er Jahren hörte sie nach einem traumatischen Erlebnis für mehrere Jahre auf zu sprechen. Doch irgendwann entdeckte sie die Lyrik als Ausdrucksmittel, das ihrem kämpferischen wie ihrem poetischen Lebensgefühl entsprach.

Das folgende Zitat stammt aus dem Gedicht „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“. Denselben Titel trägt auch Angelous Autobiografie. Eine vorschnelle Interpretation wird zu dem Schluss kommen, dass Angelou in ihrem Gedicht den freien Vogel, der es wagt, die Freiheit zu leben, dem gefangenen Vogel vorzieht, der nur von der Freiheit singt. Doch so einfach scheint mir dessen Aussage nicht.

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