Buchempfehlung: James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.

Übersetzt von Ellen Schlootz und Jochen Stremmel. Emons-Verlag 1993.

Wie schafft man runde Figuren und wie entsteht eine spannende Story? Was genau ist eine Prämisse, der sich jeder Roman zu unterwerfen hat, und wofür sollte sie gut sein? Warum ist es für geniale oder zumindest talentierte Schreiber oft viel schwieriger, einen Roman zu verfassen, als für disziplinierte Arbeitstiere? Weshalb ist es so wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein, wenn man einen guten Roman schreiben will?

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Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.

Über Walter Benjamins Essay und dessen Bedeutung für die Gegenwart

Knapp 40 Seiten umfasst Walter Benjamins berühmter Aufsatz zur technischen Reproduzierbarkeit von Kunstwerken und gilt trotz dieser Kürze als „Gründungsdokument der modernen Medientheorie“.

In seinem Essay befasst sich Benjamin mit der Frage, wie die Möglichkeit, Kunstwerke unendlich zu reproduzieren, unsere Wahrnehmung von Kunst und unsere Bewertung und Interpretation von Wirklichkeit verändert.

Der Aufsatz entstand 1936, als Benjamin selbst sich bereits ins Exil flüchten musste, und entstand daher vor dem Hintergrund des sich zum Massenphänomen entwickelnden Faschismus. Doch hat er auch mehr als acht Jahrzehnte später noch nichts an Bedeutung verloren, weshalb er aus meiner Sicht unbedingt auf den Kanon jener Werke gehört, die in allen Schulen und Universitäten gelesen werden sollten.

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Sein blaues Wunder erleben – oder doch eher hören?

Über den Sinneswandel einer Redensart

Wer sein blaues Wunder erlebt, darf sich sicher auf eine Überraschung gefasst machen. Aber woher stammt die Redensart eigentlich? Warum ist das Blaue unangenehm oder trügerisch? Hat dies wirklich etwas mit dem Handwerk der Tuchmacher zu tun, wie schon oft angenommen wurde? Oder hat das Blau vielleicht noch eine andere, uns heute verborgene Bedeutung?

Blau als Farbe der Uneindeutigkeit

Die Farbe Blau ist viele Verbindungen eingegangen, die etwas mit Täuschung oder Illusion zu tun haben. Nicht nur der blaue Dunst vernebelt uns die Sinne. Wir lügen das Blaue vom Himmel herab oder fabulieren ins Blaue hinein. Wir unternehmen eine Fahrt ins Blaue, also ins Ungewisse, Unbekannte.

Dem Duden Herkunftswörterbuch zufolge wurde uns ursprünglich nicht schwarz, sondern blau vor Augen, wenn eine Ohnmacht drohte. Dieser ganz besondere Schwindel wird also durch die Farbe Blau repräsentiert. Aber auch das Besondere, Einzigartige drückt sich darin aus. Das Ungewisse der Farbe Blau muss also nicht immer negativ sein.

In der Redensart „sein blaues Wunder erleben“ steckt jedoch eine vehemente Drohung. Denn wer sein blaues Wunder erlebt, wird auf eine negative Weise überrascht. Darüber hinaus umfasst die Redensart häufig den Charakter einer Strafandrohung.

Blaues Tuch und blauer Rauch

Die Herkunft der Redensart „sein blaues Wunder erleben“ wird häufig auf das Handwerk der Tuchfärber zurückgeführt. Durch eine chemische Reaktion verfärbten sich grün oder gelb eingefärbte Tücher in blaues Tuch. Der Betrachter erlebte tatsächlich ein blaues Wunder. Einer anderen Deutung nach geht die Redensart auf die Vorführungen von mittelalterlichen Gauklern zurück. Diese verwendeten für ihre Tricks und Zauberkünste blauen Rauch, der verbarg, was beim Publikum für Überraschungen sorgte.

Am Anfang der Redensart hätte demnach die Faszination am blauen Wunder gestanden. Im Laufe der Jahrhunderte aber wurde daraus die Angst vor etwas Negativem. Doch scheiden sich an diesen Erklärungen zum blauen Wunder auch heute noch die Geister.

Blaues Wunder hören, sehen, erleben

Doch nicht allein die Farbe Blau ist für die Bedeutungsbestimmung von Interesse. Auch das Verb, das die Redensart begleitet, muss betrachtet werden. Denn bevor man sein blaues Wunder erlebte, konnte man es bereits sehen und noch früher hören. So jedenfalls beschreibt es Christiane Wanzeck, die sich mit der Herkunft und Geschichte zahlreicher Farbwortverbindungen befasst hat.

Wanzeck zufolge hörte man sein blaues Wunder gegen Ende des 14. Jahrhunderts dann, wenn jemand eine unwahre Geschichte erzählte. Aus der unwahren Geschichte wurde dann im Laufe der Jahrhunderte eine unglaubliche Geschichte, ein Wunder, das sichtbar gemacht werden sollte. Man sah dann sein blaues Wunder. Erst im 20. Jahrhundert soll daraus die Wendung in Verbindung mit dem Verb „erleben“ abgeleitet worden sein.

Eine bekannte Redewendung, die sich sehr schön in eine Geschichte der Sinne und der Entstehung von Sinneseindrücken einbetten ließe. Für mich einmal mehr Anlass, genau zu beobachten, wie sinnliche Wahrnehmung funktioniert und ob ein Bild tatsächlich nur aus visuellen Eindrücken entsteht.

Literatur:

Duden. Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Hg. von Günther Dodrowski. Mannheim/Wien/Zürich:1989, S. 86.

Wanzeck, Christiane: Zur Etymologie lexikalisierter Farbwortverbindungen. Amsterdam, New York 2003. Seite 316 ff.

6 Tipps zum Texten, die ich nicht mehr hören kann

So lernen Sie besser schreiben. Oder: 10 Tipps, die Ihre Texte verbessern. Oder irgendwas mit einer Zahl, Tipps und besser, einfacher, werbewirksamer. Es kommt der Moment, da verstehst du: Du musst diesem Link im Newsletter nicht folgen. Du weißt eh, was drinsteht. Wolf Schneiders Lebenswerk als Zehnpunkteprogramm. Der kleine Katechismus des Schreibens, der dazu führt, dass alles irgendwie gleich klingt. Verständlich. Kurz. Kein Passiv, kein man. Bildchen rein, Grafiken rein, Füllwörter raus.

Alles richtig, aber … Schreiben ist doch kein Textetöpfern nach Anweisung. Schreiben ist auch nicht die Kunst, Wortketten von gleichförmiger Länge zu basteln. Im Schreiben bilden wir Klänge ab. Die bestenfalls auch noch was bedeuten. Texte, wie ich sie schätze, haben eine Stimme, einen Tonfall. Der – noch einmal bestenfalls – perfekt zu den Inhalten passt. Den der Leser – der aufmerksame Leser – innerlich hört. Und verändert, indem er ihm seine Stimme, seine Lesart beifügt.

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Fortschritt oder mobiler Griff ins Klo? M-WC in Barcelona 2016

Die Menge tobt, es lebe der Fortschritt. Irgendjemand setzt sich eine dieser Brillen auf, mit denen man sich nicht nur zum Idioten macht, sondern auch noch wie einer aussieht. Und was geschieht? O Wunder: „Wenn ich mit dem Kopf nach oben gehe, sehe ich wirklich, was über mir ist. Oder nach unten, nach links, nach rechts, hinter mir!”[i]

Das ist mir im echten (ach nee, das darf man ja so nicht abgrenzen), also im unvermittelt erlebten Raum ja noch nie passiert! Aber noch besser ist natürlich: „Jede Kopfbewegung wird wahrgenommen.“

Klar, und nicht nur die. Und nicht nur von dir.

Heute schon dein Schrittpensum erfüllt?

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Buchempfehlung: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache

Von Ludwik Fleck

Wie entstehen wissenschaftliche Tatsachen? Können Tatsachen überhaupt entstehen oder sind sie nicht immer schon vorhanden, bis sie eben jemand entdeckt? Bis beispielsweise ein Krankheitserreger gefunden und damit die Ursache für die Entstehung einer Krankheit nachgewiesen ist? Zeichnet sich Wissenschaft nicht gerade dadurch aus, dass sie sich von Fiktionen und Glaubenssätzen fernhält, dass sie Tatsachen nicht erfindet, sondern auf der Suche nach Erkenntnis vorfindet?

Wie naiv die Annahme ist, dass wissenschaftliche Erkenntnis unabhängig von ihren eigenen Voraussetzungen zu objektiven Tatsachen gelangt, zeigen die erstmals 1935 publizierten Aufsätze Ludwik Flecks, in denen er seine Lehre vom wissenschaftlichen Denkstil und Denkkollektiv erläutert.

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Liveschalte zum Attentat

Über die bigotte Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien

Als in der Türkei geputscht wurde, gab es in den öffentlich-rechtlichen Sendern zunächst kaum eine Reaktion. Während überall auf der Welt live berichtet wurde, konnte man hier gemütlich Musik hören oder den üblichen Serienquatsch anschauen, der einem Abend für Abend von unseren Sendern mit öffentlichem Auftrag so dargeboten wird.

Daran gab es viel Kritik und vielleicht wollte die ARD es gestern (22.07.2016) besser machen. Während des Attentats in München wurde stundenlang live gesendet. Zutage kam dabei kein Hintergrundwissen, wie auch, zu diesem frühen Zeitpunkt. Zutage kam dagegen, wie bigott diese Medien berichten, die Besonnenheit predigen und gleichzeitig Verdachtsmomente in die Welt setzen oder das Unheil herbeireden. Schön skandiert von Aussagen wie: Nichts Genaues weiß man nicht.

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Kein Bild sagt mehr als tausend Worte

Ein Bekannter postet ein Video auf Facebook. Ich sehe: Während eines Fußballspiels rollt der Ball ins Aus. Der Balljunge schnappt sich den Ball, hält ihn fest, ein Spieler will den Ball zurück. Der Balljunge rückt ihn nicht raus, wirft sich zu Boden, umklammert den Ball. Ich traue meinen Augen nicht. Ist das ein Balljunge oder ein verrückter Fan, der seine Trophäe für sich behalten will? Dann kommt es noch schlimmer: Der Spieler tritt dem am Boden liegenden Jungen in die Magengegend, der lässt den begehrten Ball daraufhin los und der Spieler trottet zurück aufs Spielfeld.

Arschloch!

Sorry, aber ja, das war meine erste Reaktion. Das hätte es dann auch sein können. Doch irgendwie scheint mir die ganze Situation so absurd. Warum umklammerte der Junge den Ball? Was war da eigentlich los?

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Wer Gedichte interpretieren kann, schafft auch die Steuererklärung

Wenn es um unser hoffnungslos veraltetes Schulsystem geht, fällt garantiert der eine Satz: Warum lernen Schüler heute nicht, wie man eine Steuererklärung macht, statt Gedichte interpretieren zu müssen? Was lernt man von einer Gedichtinterpretation?

Die Antwort ist denkbar einfach: Alles. Denn wer gelernt hat, Gedichte zu interpretieren, der schafft auch die Steuererklärung, wird ein erfolgreicher Suchmaschinenoptimierer, lernt mit links Sprachen oder tüftelt sich ins Programmieren ein. Und er fällt nicht auf Fake News oder populistisches Geschwafel rein, egal von welcher politischen Couleur es geäußert wird.

Die Betonung liegt allerdings auf: Wer gelernt hat, Gedichte zu interpretieren.

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„Das falsche Signal“ – Gedankensplitter zu einer überflüssigen Phrase

Nachrichtensendung, Talkshow, Dokumentation: Wo immer öffentlich und publikumswirksam debattiert wird, da ertönt es: das falsche Signal. Nicht als Störsignal in der Übertragung der Sendung, sondern im Sendungsbewusstsein. Die Steuerpläne der Bundesregierung, Rabattschlachten im Marketing, Gerichtsurteile, Betreuungsgeld, Studiengebühren oder diplomatische Zurückhaltung: alles falsche Signale. Ganz besonders beliebt im Moment (2014): die Rentenreform. Das falscheste aller Signale.

Beispiele seht ihr hier:

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